Sonntag, 8. Oktober 2017

Eine neue Mythologie - die Schlange


Stonehenge in England und Machu Picchu in Peru, uralte heilige Stätten sind vielleicht die berühmtesten Beispiele einer Spiritualität, die inning mit dem Land und den Zyklen der Natur verbunden sind.
Kennzeichen beider Stätten sind gewaltige Steingebilde, die eine Ausrichtung auf den Jahreslauf der Sonne erkennen lassen:
Von der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche zur Sommersonnenwende zur Herbst-Tagundnachtgleiche und schliesslich zur Wintersommerwende.

Das Medizinrad führt uns vor Augen, wie wir mit den Herausforderungen auf dem Weg der Transformation umgehen können. Wir folgen dem Rad von Süden nach Westen, Norden und Osten und lernen unterwegs, wie wir mutiger und kreativer leben können, um uns auf unsere Heilung vorzubereiten.


Die mit dem Medizinrad verbundenen Praktiken sind nicht bei allen indigenen Völkern Amerikas gleich. Wir folgen hier dem, was die Schamanen im Amazonasgebiet lehren. 

Wir beginnen im Süden mit dem Weg des Heilers und der Heilung unsere alten Wunden. 

Es folgt im Westen die Reise zum Göttlich-Weiblichen, auf der wir uns der Todesfurcht stellen.

Im Norden schliesst sich der Weg des Wissenden an, und hier lernen wir, still zu sein wie die glatte Oberfläche des Sees, der alles wiederspiegelt und nichts verzerrt.

Zuletzt kommen wir in den Osten zum Weg des Sehers oder Visionärs, und hier üben wir, Mitschöpfer zu sein und die Welt ins Dasein zu träumen.

Es sind Beispiele für die klassischen Heldenreise, auf der wir das Gewohnte hinter uns lassen und furchtlos ins Unbekannte aufbrechen.




Das Werk der Transformation kann uns niemand abnehmen. Das Universum ist immer bereit zu helfen, aber nur mit der nötigen Bescheidenheit werden wir wirklich etwas davon haben. Ohne diese Bescheidenheit fallen wir allzu leicht in das Alte und Gewohnte zurück, in die lähmenden alten Ich-Geschichten.

Das Ego würde gern das Medizinrad einmal schnell umrunden und dann gleich vollkommen geheilt sein, aber so funktioniert Transformation nicht. Wir müssen uns geduldig und engagiert die Lektionen aller vier Richtungen erarbeiten, dann erst sind wir bereit.

Der Weg des Heilers beginnt im Süden des Medizinrades.
Der Süden ist die Domäne der Schlange.

Der Schlagen-Archetyps steht überall auf der Welt für Sexualität und Lebenskraft. Die Schlange steht auch für die Instinkte und ein prosaisches Denken: Alles ist einfach so, wie wir es sehen, keine Schattierungen, kein Schillern - "So ist es nun mal".
Gefühlsregungen spielen keine Rolle, wir handeln unsentimental wie die buchstäbliche kaltblütige Schlange.



Die Schlange treibt uns an, wenn es alte Identitäten abzulegen und drastische Veränderungen einzuleiten gilt. 
Wir dürfen aber nicht im Schlagenbewusstsein bleiben, sonst gleiten wir in ein achtloses Leben ab, in dem wir uns nur für unsere eigenen Belange interessieren und auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer keine Rücksicht nehmen.
Wir halten am Bekannten fest, an Identitäten und Rollen, die in der Vergangenheit einen Nutzen für uns hatten. Sehr oft handelt es sich dabei um Identitäten, die wir nicht bewusst gewählt, sondern aufgrund von familiären und gesellschaftlichen Einflüssen übernommen haben.
Wenn unsere Augen das Gestern im Blick haben, erkennen wir oft nicht die Möglichkeiten, die direkt vor uns liegen.
Wenn wir anstehende Veränderungen aufschieben, dass verengt sich unser Gesichtsfeld, wie bei einer Schlange, die weniger gut sieht, während sie sich häutet.
Dann sehen wir nicht Chancen, sondern Gefahren und experimentieren gar nicht erst mit neuen Lebensformen, die uns glücklich machen und eine tiefere Selbsterfahrung ermöglichen könnten.

Aufhören gegen Windmühlen zu kämpfen

So beängstigend und schwierig es uns erscheinen mag, die alten Geschichten und Kämpfe hinter uns zu lassen, das Schwert und den emotionalen Panzer abzulegen, so entscheidend wichtig ist dieser Schritt für unsere Entwicklung. 
Ohne diesen Schritt erkennen wir den Gral nicht und können seine Heilkraft nicht befreien. Das lernt uns die Geschichte von Parzival.

Auf dem Weg des Heilers durchbrechen wir die Ketten der Schuldzuweisungen und schlüpfen in eine neue Rolle. Wir schreiben eine neue Geschichte, die nicht nur uns selbst befreit, sondern auch künftige Generationen.

Unser Leben lang tun wir es der Schlange nach und legen immer wieder Identitäten ab, die zu eng geworden sind. Irgendwann wird sich zeigen, dass die Rollen einfach Anzüge sind, die wir in den Schrank hängen, die wir tragen oder ausziehen können, wie es die Umstände erfordern.

Wenn Sie das Werk des Südens getan haben, können Sie der order die Träumende sein, so Sie bisher der Geträumte waren, Sie können heilen anstatt auf der Empfängerseite des Heilens zu stehen, und Ihr Leben widerfährt Ihnen nicht mehr, sondern Sie erschaffen es.

Nach dem Weg des Heilers blicken Sie in eine neue Richtung des Medizinrades: nach Westen. Hier beginnt der Weg des Jaguars.